Bauliche Entwicklung und Starkregenrisiken
Sie wollen in Ihrer Kommune Maßnahmen ergreifen, um gegen steigende Starkregen Ereignisse gewappnet zu sein. Hier erhalten Sie umfangreiche Informationen zum Vorgehen sowie weiterführende Informationen.
ℹ️ Inhaltsverzeichnis
- Einstieg → (Allgemeine Problembeschreibung & Aufzeigen möglicher Ergebnisse)
- Überblick → (Aufzeigen der verwendeten Bausteine und Nutzung für unterschiedliche Zielgruppen)
- Vorgehen → (empfohlene Schritte von Beginn bis zur Ergebnisvisualisierung & -Kommunikation)
- Daten → (Basisdaten, ergänzende Daten, Ergebnisdaten, Datenorganisation, Standards)
- Tools → (Analyse & Modellierungswerkzeuge, Dienste & Formate, Funktionen für Nutzerinnen)
- Ergebnis (fachliche & visuelle Ergebnisse, Nutzenargumente, Demonstratoren, Fazit)
💡 Weitere Informationen
- zur Use-Case-Story (Ein interaktiv gestalteter Weg zur Use-Case Erstellung)
- zum SDDI-Katalog (weiterführende Informationen zu diesem Use-Case)
- zur Pilotkommune (Ergebnisse und Erfahrungen der Kommune(n))
- Download dieses Use Case-Leitfadens (PDF-Version)
Einstieg
Durch den Klimawandel nehmen Starkregenereignisse und daraus resultierende Überflutungen deutlich zu. Gleichzeitig verändert die bauliche Entwicklung in Gemeinden die Abflussverhältnisse – etwa durch Versiegelung oder Veränderungen der Topographie.
Für Kommunen ergibt sich daraus die Aufgabe, Siedlungsentwicklung und Klimaanpassung gemeinsam zu betrachten. Der Leitfaden zeigt, wie vorhandene Daten und digitale Werkzeuge genutzt werden können, um:
- Gefährdungsbereiche frühzeitig zu erkennen
- Planungsentscheidungen faktenbasiert zu treffen
- Auswirkungen unterschiedlicher Bebauungsszenarien zu bewerten
Überblick
Der Ansatz basiert auf einem datengetriebenen Vorgehen, das drei Kernbausteine kombiniert:
- Integration relevanter Geodaten (z. B. Flurstücke, Nutzung, Gebäude, Geländedaten)
- Simulation von Bebauungsszenarien (z. B. Nachverdichtung, Aufstockung, Neubauten)
- Analyse von Starkregen- und Abflussprozessen zur Identifikation von Gefährdungen
Die Ergebnisse werden in einem urbanen digitalen Zwilling (3D-Modell) visualisiert und dienen als Entscheidungsgrundlage für Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit.
Zentrale Zielgruppen:
- Kommunalverwaltungen
- Planungsbehörden
- politische Entscheidungsträger
- Bürger:innen (für Transparenz und Beteiligung)
Vorgehen
Das empfohlene Vorgehen gliedert sich in mehrere Schritte:
Schritt 1: Festlegung von Untersuchungsgebiet und Szenarien
- Auswahl eines Teilraums (z. B. Quartier)
- Definition von Entwicklungsszenarien, z. B.:
- Aufstockung (z. B. +3 m)
- maximale Bauhöhe
- Neubau nach BauNVO
- ortsübliche Nachverdichtung
Schritt 2: Datenaufbereitung
- Zuschnitt auf Untersuchungsgebiet
- Bereinigung und Harmonisierung der Geometrien
- Trennung relevanter Flächen (z. B. Verkehrsflächen entfernen)
Schritt 3: Verknüpfung von Gebäuden und Flurstücken
- Zuordnung bestehender Gebäude zu Parzellen
- Herstellung räumlicher Konsistenz
Schritt 4: Ableitung planungsrelevanter Parameter
- Gebäudehöhen (Wandhöhe, Dachhöhe)
- Dachneigung
- Abstandsflächen (gemäß Bauordnung)
Schritt 5: Simulation von Bebauungsszenarien
- Berechnung maximal zulässiger Kubaturen je Szenario
- Berücksichtigung von:
- Abstandsregelungen
- Bauweisen (offen / gekuppelt)
- rechtlichen Vorgaben
Schritt 6: Ableitung von 3D-Modellen
- Überführung der Ergebnisse in 3D-Geometrien
- Vorbereitung für Analyse und Visualisierung
Schritt 7: Analyse Starkregen & Oberflächenabfluss
- Simulation von Abflussprozessen
- Identifikation von:
- Überflutungsflächen
- kritischen Fließwegen
- Risikobereichen
Schritt 8: Visualisierung und Kommunikation
- Darstellung der Ergebnisse im digitalen Zwilling
- Vergleich der Szenarien
- Aufbereitung für Entscheidungsprozesse
Daten
Für die Umsetzung werden folgende Daten benötigt:
Basisdaten
- ALKIS Flurstücke
- ALKIS tatsächliche Nutzung
- 3D-Gebäudemodelle (LoD2)
- Verwaltungsgrenzen
Ergänzende Daten
- Topographie / Geländemodelle
- Starkregendaten / Niederschlagsdaten
- ggf. statistische Daten
Ergebnisdaten
- Szenarienmodelle (z. B. 4 Bebauungsvarianten)
- Analyseergebnisse zu Überflutungsrisiken
Datenorganisation
- Lokale Verarbeitung in einer Geodatenbank (z. B. ESRI File Geodatabase)
- Strukturierung in:
- Rohdaten
- Zwischenergebnisse
- Endergebnisse
- Bereitstellung über:
- ArcGIS Enterprise / Portal
- Dokumentation im SDDI-Katalog (Metadaten)
Standards
- CityGML (3D-Stadtmodelle)
- INSPIRE
- ISO 19115 (Metadaten)
Tools
Für die Umsetzung werden folgende Werkzeuge benötigt:
Analyse- und Modellierungswerkzeuge
- ArcGIS Pro
- ArcGIS ModelBuilder (für reproduzierbare Workflows)
Plattformen und Bereitstellung
- ArcGIS Enterprise Portal
- ArcGIS Experience Builder (3D-Webanwendungen)
Dienste und Formate
- Feature Layer (hosted)
- 3D Scene Layers (I3S)
Funktionen für Nutzer:innen
- Szenarienauswahl (Layersteuerung)
- Navigation im 3D-Modell
- Diagramme und Legenden zur Interpretation
Ergebnis
Das Ergebnis des Vorgehens ist ein entscheidungsunterstützendes digitales System mit folgenden Bestandteilen:
1. Fachliche Ergebnisse
- Vergleich mehrerer Bebauungsszenarien
- Identifikation von Risikozonen durch Starkregen
- Bewertung von Planungseingriffen
2. Visuelle Ergebnisse
- 3D-Darstellung der Bebauung
- Überlagerung mit Gefährdungsinformationen
- Interaktive Szenarienanalyse
3. Praktischer Nutzen für Kommunen
- fundierte Grundlage für Bauleitplanung
- bessere Abwägung zwischen Nachverdichtung und Klimarisiken
- transparente Kommunikation gegenüber Politik und Öffentlichkeit
4. Demonstrator (Beispiel)
- Webbasierte Anwendung mit:
- 3D-Ansicht
- Szenarienvergleich
- interaktiver Exploration
Fazit
Mit diesem Vorgehen können Kommunen:
- Planungsentscheidungen datenbasiert treffen
- Klimarisiken frühzeitig berücksichtigen
-
Nachhaltige Siedlungsentwicklung gestalten Der Schlüssel liegt in der Kombination aus Geodatenintegration, Simulation und verständlicher Visualisierung im digitalen Zwilling.
💡 Weitere Informationen
- zur Use-Case-Story
- zum SDDI-Katalog
- zur Pilotkommune
- Download dieses Use Case-Leitfadens
Rechtlicher Hinweis:
Die hier beschriebene Lösung basiert auf allgemeinen Anforderungen. Vor der Implementierung in Ihrer Kommune ist eine Prüfung durch Ihren behördlichen Datenschutzbeauftragten (bDSB) sowie ggf. eine vergaberechtliche Beratung unter Berücksichtigung der geltenden Landesgesetze (BayDSG/Datenschutz-Grundverordnung) zwingend erforderlich.